Mit rund 75.000 Einwohnern und einer bewegten Bergbaugeschichte stellt Gladbeck besondere Ansprüche an jede Gründung. Die Stadt liegt am nördlichen Rand des Ruhrgebiets, wo die Bodenschichten aus quartären Sanden, Geschiebemergel und den darunter anstehenden Kreidemergeln ein durchaus wechselhaftes Bild abgeben. Die Plattengründungsbemessung muss hier vor allem auf zwei Faktoren reagieren: die teils jahrhundertealten Hohlräume des Steinkohlebergbaus und die heterogene Verwitterungszone des Emscher-Mergels. In unserer Praxis kombinieren wir für Gladbecker Projekte die geotechnische Erkundung durch eine SPT-Bohrung mit detaillierten Setzungsberechnungen, denn nur so lassen sich die Spannungsverteilung und der Bettungsmodul wirklich belastbar ermitteln.
In Gladbeck entscheidet nicht allein die Bodenpressung über die Gründung, sondern die Verformungsverträglichkeit zwischen Platte und Untergrund im Einflussbereich ehemaliger Bergbauaktivitäten.
Ablauf und Umfang
Örtliche Baugrundfaktoren
Ein Fehler, der uns in Gladbeck immer wieder begegnet, ist die Annahme eines konstanten Bettungsmoduls über die gesamte Plattenfläche – selbst wenn die Bohrprofile nur 50 Meter auseinanderliegen. Im Bereich der ehemaligen Zeche Graf Moltke oder entlang der Boye finden sich oft künstliche Auffüllungen, deren Steifigkeit mit der Tiefe sprunghaft variiert. Wird die Plattengründung dann nicht als elastisch gebettetes System mit variabler Nachgiebigkeit gerechnet, entstehen Risse in der Bodenplatte, lange bevor die Gebrauchstauglichkeitsgrenze erreicht ist. Auch der Verzicht auf eine ausreichende Erkundungstiefe unterhalb der rechnerischen Einflusstiefe führt zu unentdeckten Schwächezonen. Ein belastbarer Baugrundgutachter modelliert das Steifigkeitsprofil entlang mehrerer Schnitte und weist die Biege- und Durchstanznachweise für die ungünstigste Kombination aus ständigen und veränderlichen Lasten – sonst wird aus der vermeintlich einfachen Flachgründung ein teures Sanierungsprojekt.
Video-Ressource
Normativer Rahmen
DIN EN 1997-1:2014-03 (Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik), DIN 1054:2021-04 (Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau), DIN EN 1992-1-1:2011-01 (Eurocode 2: Bemessung und Konstruktion von Stahlbetonbauten), DIN 4020:2010-12 (Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke)
Weitere Fachleistungen
Geotechnische Felduntersuchungen
Koordination von SPT- und Rammsondierungen (DIN EN ISO 22476) sowie Plattendruckversuchen zur Ermittlung der Bettungsziffern auf Ihrem Gladbecker Grundstück.
Numerische Plattenmodellierung
FEM-gestützte Berechnung der Schnittgrößen und Verformungen für elastisch gebettete Platten unter Berücksichtigung inhomogener Baugrundprofile.
Setzungs- und Verdrehungsanalyse
Differenzierte Setzungsberechnung nach dem Steifemodul-Verfahren (DIN 4019) mit Nachweis der Winkelverdrehung für angrenzende Baukörper.
Bewehrungs- und Ausführungsplanung
Erstellung der Bewehrungspläne nach EC 2 inklusive Nachweis der Rissbreitenbeschränkung für WU-Bodenplatten bei drückendem Wasser.
Typische Parameter
Fragen und Antworten
Welche Baugrundrisiken sind in Gladbeck besonders zu beachten?
In Gladbeck dominieren zwei Risikofaktoren: die flach ausstreichenden Emscher-Mergel, die bei Wasserzutritt aufweichen und ihre Steifigkeit verlieren, sowie die Tagesbrüche und Hohlräume aus dem Altbergbau. Ein Baugrundgutachten nach DIN 4020 muss diese erkundungstechnisch abdecken, meist durch Bohrungen bis in den unverwitterten Mergel und eine Auswertung der Bergbaukarten der Bezirksregierung Arnsberg.
Wann ist eine Plattengründung in Gladbeck einer Einzelfundamentgründung vorzuziehen?
Sobald mit ungleichen Setzungen zu rechnen ist – und das ist bei den wechselhaften Gladbecker Böden fast immer der Fall – gleicht eine durchgehende Bodenplatte die Differenzsetzungen besser aus. Auch bei hohen Grundwasserständen oder drückendem Wasser bietet die Platte Vorteile. Die Entscheidung treffen wir nach Auswertung der Steifemoduln und der Lastverteilung.
Mit welchen Kosten muss ich für die Plattengründungsbemessung rechnen?
Für eine vollständige Bemessung einer Bodenplatte in Gladbeck, inklusive geotechnischer Untersuchungen, FEM-Modellierung und Bewehrungsplanung, bewegen sich die Honorare je nach Gebäudegröße und Baugrundkomplexität zwischen 900 € und 4.160 €.
Können Bergsenkungen die Plattengründung beschädigen?
In Gladbeck sind die meisten Bergwerke zwar stillgelegt, aber Restsenkungen und der Grundwasserwiederanstieg können noch über Jahrzehnte wirken. Wir berücksichtigen dies durch den Ansatz einer Zwangsverformung in der FEM-Berechnung und durch eine robuste Bewehrungsführung, die leichte Krümmungen ohne Rissbildung aufnimmt. Mehr Info.
