Bei einer Bestandserweiterung an der Bottroper Straße standen wir vor einer typischen Gladbecker Situation: Unter zwei Metern Auffüllung lag eine Wechsellagerung aus Sanden und Schluffen der Emscherniederung. Der Bodengutachter brauchte Gewissheit über Schichtgrenzen und Lagerungsdichte. Eine Rammsondierung allein hätte hier nicht gereicht, denn die gestörten Proben sagen wenig über Gefüge und Verunreinigungen. Wir haben drei Schürfgruben auf 3,50 Meter Tiefe angelegt, die Schichten fotografisch dokumentiert und Handproben für die Korngrößenanalyse entnommen. So liess sich die Tragfähigkeit des Baugrunds direkt bewerten, bevor der Statiker die Gründung bemisst.
In der Emscherzone zeigen 80 Prozent der Schürfgruben Auffüllungen – die Mächtigkeit schwankt zwischen 0,60 und 3,20 Meter.
Ablauf und Umfang
Örtliche Baugrundfaktoren
Gladbeck erlebte zwischen 1890 und 1920 einen Schub durch den Steinkohlenbergbau – Zeche Möller, Zeche Rheinbaben und später Zeche Zweckel. Die Spuren im Untergrund sind bis heute spürbar: Verfüllte Schächte, Tagesbrüche und grossflächige Bergsenkungen zwingen jeden Tragwerksplaner zu besonderer Vorsicht. In Stadtteilen wie Rentfort oder Butendorf findet man zudem wilde Auffüllungen aus Bergematerial und Bauschutt, deren Mächtigkeit ohne Schürfgrube kaum abschätzbar ist. Wer hier auf eine Gründung ohne direkten Aufschluss setzt, riskiert Setzungsdifferenzen, die schon bei einem zweigeschossigen Wohnhaus zu Rissen im Mauerwerk führen. Mit der Grube sehen wir die Auffüllung, bestimmen ihre Zusammensetzung und entscheiden, ob ein Bodenaustausch oder eine Tiefgründung mit Pfählen nötig wird.
Normativer Rahmen
DIN EN 1997-2:2010-10 – Erkundung und Untersuchung, DIN 4022-1:1987-09 – Benennen und Beschreiben von Boden, DIN 4124:2012-01 – Baugruben und Gräben
Weitere Fachleistungen
Schürfgrube mit Lastplatte
Kombinierter Aufschluss: Grube für Schichtansprache, Plattendruckversuch für Verformungsmodul Ev2 direkt an der Aushubsohle. Spart Zeit auf der Baustelle.
Schürfgrube für Kanal- und Leitungsbau
Grabenprofile in 3,00–4,50 m Tiefe zur Beurteilung der Grabenstandsicherheit. Dokumentation für den Standsicherheitsnachweis nach DIN 4124.
Schürfgrube mit Probenahme für Labor
Entnahme gestörter und ungestörter Proben für Korngrössenanalyse, Atterberg-Grenzen oder Triaxialversuch. Inklusive Kühltransport ins geotechnische Labor.
Typische Parameter
Fragen und Antworten
Wann reicht eine Schürfgrube und wann brauche ich zusätzlich eine Bohrung?
Die Grube liefert ein direktes Bild der oberen 3–4 Meter. Für tieferliegende Tragschichten unterhalb des Grundwasserspiegels ist eine Rammsondierung oder eine Kleinbohrung nach DIN EN ISO 22475-1 sinnvoll. In Gladbeck mit seinen teils tiefreichenden Auffüllungen kombinieren wir oft beides: Grube für die oberen Schichten, Sonde für die Tiefe.
Was kostet eine Schürfgrube in Gladbeck?
Für eine Standardgrube bis 3,50 Meter Tiefe, inklusive An- und Abfahrt, Dokumentation und Probenahme, liegt der Preis zwischen €420 und €670. Hinzu kommen gegebenenfalls Kosten für Verbau, Aushubentsorgung oder Laborversuche.
Darft ich die Grube offen lassen und selbst besichtigen?
Nein. Nach der Aufnahme wird die Grube umgehend verfüllt und verdichtet. Das ist arbeitsschutzrechtlich vorgeschrieben. Sie erhalten ein vollständiges Schichtenverzeichnis mit Fotos und die Bodenansprache in Textform.
Wie lange dauert die Durchführung einer Schürfgrube?
Vor Ort rechnen wir mit zwei bis vier Stunden pro Aufschluss, je nach Tiefe und Bodenart. Die schriftliche Dokumentation mit Schichtenprofil und Fotoanhang liegt meist am Folgetag vor.
Können Sie die Grube auch bei beengten Platzverhältnissen anlegen?
Ja. Für Innenhöfe oder schmale Zufahrten setzen wir einen Minibagger mit 1,40 Meter Arbeitsbreite ein. Die Grubenabmessung passen wir auf 0,80 mal 1,20 Meter an, sofern die Tiefe das zulässt. Die Standsicherheit des Grabens prüfen wir vorab nach DIN 4124.
